Gewalt- und Rassismusprävention an der Heinrich-Heine-Schule: Überlebender des Mölln-Attentates diskutiert mit Neunt- und Zehntklässlern

Am Montag, den 10.09.2018 besuchte Ibrahim Arslan, Überlebender des Mölln-Attentates von 1992, die Heinrich-Heine-Schule, um mit Schülern der Jahrgänge 9 und 10 über Gewalt- und Rassismus zu diskutieren. Zu dieser Veranstaltung hatten die Fachschaften Politik und Wirtschaft sowie Geschichte in Zusammenarbeit mit dem Verein „Gegen Vergessen – für Demokratie e.V.“ eingeladen. Unterstützt wurden sie auf Einladung von Ilse El Badawi, Vereinsmitglied und Beratungslehrerin der Heinrich-Heine-Schule, vom Projekt „Zusammenleben neu gestalten – Angebote für das plurale Gemeinwesen“ der Deutschen Gesellschaft für Demokratiepädagogik e.V. (DeGeDE e.V.).

Arslan, der bei dem rechtsradikal motivierten Anschlag seine Großmutter, seine Schwester und seine Cousine verloren hatte, erzählte an einem Vormittag über den alltäglichen Umgang mit diesem traumatischen Ereignis. Wie sich das Attentat zugetragen hatte, erfuhren die Neunt- und Zehntklässler durch den Film „Nach dem Brand“, der das Geschehen in Mölln dokumentierte und den Umgang mit dem Verlust der Familienangehörigen darstellte. Über die Folgen, mit denen Arslan und seine Familie noch heute zu kämpfen haben, berichtete er im Anschluss.

Die Fragen der Jugendlichen wurden in einer Diskussionsrunde beantwortet. Dabei rückte Arslan u.a. in Bezug auf die NSU-Anschläge nicht die Täter, sondern die Opfer rechtsradikaler Anschläge in das Zentrum der Aufmerksamkeit. Er erläuterte den jungen Zuhörern, dass Rassismus und rassistische Taten keine Einzelfälle seien. Allein seit 2016 habe es in Deutschland 3500 Anschläge auf Geflüchtete und ihre Helfer gegeben. Es gelte nun, den Fokus nicht auf die Täter, sondern auf die Opfer zu legen. Er selbst wolle mit seinen Vorträgen und Diskussionsrunden „die Rolle des Opfers, die ja mit Schwäche gefüllt ist, mit Stärke befüllen“.

Vor diesem Hintergrund lud er die Neunt- und Zehntklässler dazu ein, von eigenen Erlebnissen zu berichten. Auch hierbei ging es darum, den Blick auf die Betroffenen zu richten und zu besprechen, was die Schüler bei rassistischen Äußerungen oder Taten tun können, denn Rassismus sei überall. „Nur wir haben die Chance, etwas dagegen zu tun. Wie müssen darauf aufmerksam machen, uns mit Opfern solidarisieren, nur so können wir langfristig etwas verändern“, erklärte Arslan abschließend.

Das Treffen mit dem Anschlagsopfer wurde am darauffolgenden Mittwoch in Zusammenarbeit mit der DeGeDe e.V. nachbereitet. Im Vorfeld hatten die Fachschaften Politik und Wirtschaft sowie Geschichte bereits eine Lehrerfortbildung zu dem Thema „Prävention von Gewalt- und Rassismus“ organisiert, die ebenfalls von der DeGeDe im Rahmen des Projektes „Zusammenleben neu gestalten“ durchgeführt worden war. Finanziert wurden alle Veranstaltungen vom Verein „Gegen Vergessen – für Demokratie e.V.“.

Für die Schüler waren das Treffen mit Ibrahim Arslan und die Nachbereitung äußerst erkenntnisreich und einprägend. So berichteten die Neuntklässler erstaunt, dass sie nicht gedacht hätten, dass in Deutschland so viele Menschen von Rassismus betroffen seien. „Der Besuch von Ibrahim Arslan war sehr interessant und man lernte Dinge fürs Leben“, resümierte Simon (Klasse G9a) das Treffen mit dem Anschlagsopfer. „Jeder ging nach diesem Besuch, wenn auch nur ein bisschen, mit einem anderen Blickwinkel aus dem Raum.“

Wie Christa Kaletsch, Programmentwicklerin und Beraterin der DeGeDe e.V., im Anschluss an die Veranstaltungsreihe feststellte, sei es gut, dass sich die Schule geöffnet habe und die Verknüpfung von verschiedenen Institutionen und Beratungsstellen für Betroffene nun leichter möglich sei. Durch die Begegnung mit Ibrahim Arslan sei eine Nachdenklichkeit bei den Schülern zu vernehmen gewesen, von der sie hofft, dass sie zu einem Umdenken führe. „Es ist ein Anfang!“, betonte sie, wobei sie gleichzeitig noch einmal auf den Fokuswechsel weg von den Tätern hin zu den Opfern hinwies und erklärte, dass eine Weiterarbeit für ein langfristiges Umdenken und Solidarisieren mit den Betroffenen unbedingt notwendig sei.


Bildquelle : https://www.op-online.de/region/dreieich/dreieich-ibrahim-arslan-ueberlebender-moelln-attentates-1992-gast-heinrich-heine-schule-10228527.html