Per Liveschalte nach Berlin: Europaministerin steht Schülerinnen und Schülern Rede und Antwort

Welche Fragen würdet ihr stellen, wenn ihr einmal die Gelegenheit bekommen solltet, mit einer Ministerin zu sprechen?

Diese Möglichkeit eröffnete sich der Klasse G10a unserer Schule, die sich vor einem Jahr beworben hatte, um sich nun eine Stunde lang mit der Hessischen Ministerin für Bundes- und Europaangelegenheiten, Lucia Puttrich, per Livestream über tagesaktuelle politische Themen auszutauschen.

Mehrere Wochen lang hatten sich die Schülerinnen und Schüler gemeinsam mit ihren Lehrerinnen Frau Kemmer und Frau Skipis auf diesen Moment vorbereitet. Im PoWi- und Geschichtsunterricht hatten sie Fragen zu Themen vorbereitet, die ihnen besonders auf den Nägeln brennen.

Und nun war es endlich soweit: Gespannt richteten sich alle Augenpaare auf den großen Bildschirm, auf dem sogleich die Europaministerin in ihrem Berliner Büro erscheinen sollte. Es erscheint eine lächelnde Frau Puttrich, die den Zehntklässlern ihre Anspannung sofort nehmen kann.

„Als kurzes Warm-Up bitten wir Sie, von uns vorbereitete Satzanfänge zu vervollständigen.“ So leitete Moderator Simon sanft in die bevorstehende Diskussion ein. Die Themen reichten von der aktuellen Corona-Krise – von Hamsterkäufen halte Frau Puttrich gar nichts - über das Attentat von Hanau, das sie immer noch fassungslos mache, bis hin zur Legalisierung von Cannabis, von der sie nur zu medizinischen Zwecken etwas halte.

Geschickt leiteten die beiden Moderatoren Simon und Johanna zum nächsten Themenblock über. Nach einer Fragerunde zur Rolle der EU im Nahost-Konflikt interessierte die Jugendlichen auch die Haltung der Ministerin zur Situation an der türkisch-griechischen Grenze. Frau Puttrich räumte ein, dass die Bilder von der Situation der Flüchtlinge betroffen mache, erinnerte aber zugleich an das europäische Asylsystem, nach dem zwischen Asylsuchenden und Migranten unterschieden werden müsse.

Ein weiteres Thema, das den Schülerinnen und Schülern besonders am Herzen lag, war das Gedenken an den Holocaust. Wenige Wochen zuvor hatte die Klasse das ehemalige Konzentrationslager Buchenwald besichtigt – ein Besuch, dessen Eindrücke die Schülerinnen und Schüler immer noch beschäftigten und weiterhin Fragen aufwarfen. Auch auf die Frage eines Schülers hin, warum der Holocaust noch immer einen so großen Stellenwert im Schulunterricht einnehme, auch wenn seine Generation und auch die seiner Eltern und Großeltern nichts mehr damit zu tun habe, zögerte die Ministerin nicht lange mit einer Antwort.
Dieses Kapitel der deutschen Geschichte dürfe niemals vergessen werden und müsse den Menschen immer ein abschreckendes Beispiel dafür sein, wozu Hass und Ausgrenzung führen können.

Nach diesen ernsten Themen wurde es nun etwas privater. Die Schülerinnen und Schüler wollten wissen, ob Politik auch bei Puttrichs zuhause eine Rolle spiele. Die Ministerin erklärt freiheraus, dass auch für sie irgendwann der Feierabend beginne und sie und ihr Mann wenig über Politik sprächen. Dennoch interessiere sie auch die Meinung ihrer Familie, so diskutiere sie gerne mit ihren erwachsenen Töchtern, die häufig auch mal anderer Meinung als sie seien.

Abschließend wird die Ministerin noch zu ihrer Meinung über die Regierungskrise in Thüringen gefragt, wobei sie die Rolle aller Beteiligten scharf kritisiert. Das Erstarken der extremistischen Kräfte bereite ihr große Sorgen.

Die Diskussion hatte gerade nochmal Fahrt aufgenommen, als ein Blick auf die Uhr verriet, dass das Ende der Videokonferenz nahte. So bedankte sich die Klasse für das anregende Gespräch und wurde wiederum von der Ministerin herzlich verabschiedet. Auf einen Vorschlag der Klasse hin bot sie großzügig an, die offen gebliebenen Fragen in Form einer Videobotschaft an die Klasse zu beantworten.

Die Jugendlichen zeigten sich positiv überrascht von dem Gesprächsverlauf und der Offenheit, mit der die Ministerin auf ihre Fragen eingegangen war. So hielten sie im Anschluss an die Veranstaltung fest, dass Gespräche dieser Art für beide Seiten, Politiker und Bürger, wichtig seien und mehr Politiker sich ein Beispiel an dieser Form des Bürgerdialogs nehmen sollten.

Eine Schülerin bringt es auf den Punkt: „So bekommt man als Bürger den Eindruck, dass man ernst genommen wird und kann den Politikern vielleicht sogar ein paar Ideen mit auf den Weg geben.“